Brummton in LE

Fragen und Antworten zum Thema „Infraschall in LE“ 

Wurde der Brummton von offizieller Seite bestätigt? 

Ja. Sowohl Landratsamt als auch LUBW, das ist die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, haben bestätigt, „dass da was ist“. Fühlen sich aber nicht zuständig, da nur die Lautstärke an sich gemessen wurde, und da liegt wohl alles im festgelegten Normbereich.

Danach haben Messungen von einem Ingenieurbüro und eben zuletzt von Prof. Dr. Detlef Krahé aus Wuppertal das Vorhandensein von nicht natürlichem Ultraschall bestätigt. Diese wurden von der Stadt anerkannt, mit anderen Behörden waren wir hierüber nicht in Kontakt.

Was wurde gemessen? Wie wurde es gemessen? 

Zuallererst haben die meisten der Betroffenen natürlich die Ursache in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus gesucht, dafür wurden zum Teil Firmen beauftragt, die aber keine Ursache in den eigenen Wänden feststellen konnten. Diese Kosten, zum Teil mehrere hundert Euro, wurden von den Betroffenen selbst getragen.

Weiter wurden vom zuständigen Landratsamt und der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) in einer Wohnung Schallmessungen vorgenommen. Jeweils nachts über einen kurzen Zeitraum wurde in und außerhalb vom Wohnbereich Schall aufgezeichnet, der dann bewertet wurde.

Hier wurde tieffrequenter Schall gemessen, der laut den Bestimmungen im Normbereich liegt, deshalb sieht das Landratsamt keinen Handlungsbedarf. Infraschall, also Körperschall wurde dort nicht gemessen.

Nachfolgend haben die Betroffenen ein Ingenieurbüro für Umweltanalytik und Schallanalyse beauftragt. Hier wurde das erste Mal Infraschall gemessen.

Das heißt, das Tonsignal wird zerlegt in seine Frequenzen und diese werden dann ausgewertet. Bei dem Verfahren werden – vereinfacht – die Stärke aller im Signal vorhandener Frequenzen ermittelt.

Zur Frequenz-Analyse von Lautaufnahmen werden mittels einer Fast Fourier Transformation – genannt FFT, die im Ton enthaltenen Frequenzen ermittelt.

Hier wurden auf einfache Weise mittels eines Mikrofons und eines digitalen PCM Rekorders mehrere Sequenzen von jeweils 20 Minuten aufgezeichnet und dann von dem Büro analysiert. Die Geräte wurden von dem Büro zur Verfügung gestellt und von der betroffenen Familie in Betrieb genommen. Gleichzeitig mit den Messungen erfolgten Bewertungen der Familie des Brummtons auf einer Skala von 1 bis 10, die dann später vom Büro mit den gemessenen Daten verglichen wurden.Die Schalldateien sind übrigens ebenfalls in und außerhalb des Wohnraumes aufgezeichnet worden.Festgestellt wurde ein tieffrequenzlastiges Geräusch mit dominanter Tonalität bei 8 Hz und auffälliger Tonalität bei ca. 46 Hz. Das Geräusch wird in der hörgerechten Analyse im auditorischen Spektrogramm, als dominant breitbandig tieffrequent und mit einer geringen Tonalität um 260 Hz ermittelt. So ähnlich steht es in den Auswertungen.

Ich selbst kann mit solchen technischen Aussagen leider nicht so viel anfangen. Aber interessant ist, dass die gemessenen Pegel genau mit den Angaben der Familie übereinstimmen.

Beim Abhören der Schallproben mittels offener Kopfhörer in Originallautstärke ist das tieffrequente Schallereignis nach kurzem Training gut wahrnehmbar.

Der Gutachter kommt an dieser Stelle zur dem Ergebnis, dass eine Orientierung an der Hörschwelle ist im vorliegenden Falle „untauglich“ sei.

Das bedeutet für mich, dass die Begründung der Behörden, alles läge im Normbereich, einfach nicht zutreffend ist. 

Er kommt außerdem zu dem Schluss, dass das ausgeprägte dominante Verhalten um 8 Hz in jedem Fall den Hinweis gibt, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein künstliches, kein natürliches Geräusch ist.

Schließlich wurde direkt am Tag des 2. Runden Tisches, an dem ja Prof. Dr. Detlef Krahé von der Uni Wuppertal teilnahm, von diesem ebenfalls Infraschallmessungen gemacht, die ebenfalls zu dem Schluss kamen, dass Infraschall vorliegt, der für die Betroffenen sehr belastend sein kann. Herr Prof. Krahé hat an mehreren Stellen gemessen, sowohl an Wohnungen, als auch an Stellen, wo Verursacher vermutet werden können, zum Beispiel bei Strom- und Gasverteilerstationen.

Bereits jetzt kann festgehalten werden, dass die Brummtöne real, von außen kommend und technischer Genese sind und nicht auf allgemeinen Umwelt-Infraschall (Straßenlärm, Wind etc.) reduziert werden können.

 

Wie viele Leute sind akut betroffen? 

Leinfelden-Echterdingen        rund 30 Personen

wir haben nicht von allen die Daten (Stadt LE, Datenschutz)

Filderstadt                             rund 20 Personen

Stuttgart und Region              rund 70 Personen

Das sind aber nur Leute, die sich gemeldet haben, entweder bei uns oder der Stadt LE. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich bei einem Vielfachen.Wobei sicherlich auch nicht alle Leute ganz gravierend betroffen sind. Die meisten wachen halt nachts auf und können dann oft nicht mehr einschlafen, werden vielleicht nervös und gereizt und haben auch Konzentrationsstörungen. Oder auch körperliche Beschwerden wie hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen. Es gibt aber auch Betroffene, die sind wirklich ganz, ganz schlecht dran. Schwerste gesundheitliche Schädigungen, vor allem durch den Schlafentzug sind aufgetreten. Ein junger Mann konnte seine Ausbildung nicht weitermachen, Zwei der Betroffenen schildern, dass es Zeiten gab, wo sie akut suizidgefährdet waren. Eine Familie erlebt gerade eine massive Krise, die Ehe steht auf dem Spiel, die Leidtragenden sind alle, aber insbesondere die beiden Kinder.

Was haben die Messungen bisher gekostet? Wer hat diese Kosten übernommen?

Die Kosten für die Messungen von Landratsamt und LUBW wurden von den Behörden selbst übernommen. Über die Kosten der Messungen durch Prof. Krahé ist mir nichts bekannt. Eine Aufwandsentschädigung hat sicherlich die Stadt bezahlt, die ja den Prof. an den runden Tisch eingeladen hat. Die Messungen, die von den Betroffenen selbst beauftragt wurden, wurden, sofern sie etwas gekostet haben, von den Betroffenen selbst übernommen. Die Messung von dem Ingenieurbüro wurde von dem Büro freundlicherweise unentgeltlich gemacht, dafür sind wir sehr dankbar. Ansonsten war aber davor Konsens, dass die Betroffenen zusammenlagen und die Kosten übernehmen. Es war für die Betroffenen wichtig, etwas in der Hand zu haben, was sie dem Runden Tisch und gegenüber den Behörden vorlegen konnten. Ziel waren ja weitere Untersuchungen, um dem Brummton letztendlich auf die Spur zu kommen.

Diese können aber von den Betroffenen selbst nicht organisiert und bezahlt werden. Und das ist auch nicht ihre Aufgabe. Die Ursache liegt nachweislich außerhalb der eigenen Wohnumgebung und deshalb sind hier ganz klar die Behörden in der Pflicht und der Verantwortung. 

Was muss jetzt weiter untersucht werden? 

Prof. Krahé hält eine Korrelationsanalyse für angebracht, dies bedeutet, parallele Messungen an zwei oder mehreren Gebäuden. Bei Verdacht können potenzielle Emissionsorte mit einbezogen werden. Weitere Messungen können von der Art auch ganz einfach gehalten werden, um die Kosten gering zu halten. Er selbst ist sogar bereit, dies teilweise durch unentgeltlichen persönlichen Einsatz zu unterstützen. Wir wären ja als Stadt blöd, wenn wir dieses großzügige Angebot durch einen ausgewiesenen Experten in dieser Richtung nicht unterstützen würden.

Die Hoffnung wird geäußert, dass Prof. Dr. Krahé möglicherweise im weiteren Verlauf Tipps geben kann, wie die Betroffenen vor dem Infraschall geschützt werden können. Zumindest die Schlafräume sollten mit Schutzmaßnahmen versehen werden.

Wie kann man die Quelle ausfindig machen? 

Durch die parallelen Messungen in den Haushalten und der Vergleich mit möglichen Quellen. Das wäre ein erster Schritt. Weitere Untersuchungen müssen dann wohl folgen.

Wie soll die Frage der künftigen Finanzierung geklärt werden? 

Die Rede war am Runden Tisch vom 14.01.2016, an dem übrigens von den Fraktionen außer Stadträtin Sabine Onayli nur ein Vertreter der Grünen teilgenommen hat, von 2000 bis 4000 Euro pro Haushalt. Hierauf basiert auch unser Antrag, nach unserer Schätzung werden demnach für die weiteren Schritte rund 10.000 Euro benötigt.

Es scheint klar, dass die Stadt erst einmal in Vorleistung gehen muss, um die Grundlage für ein möglicherweise größer angelegtes Projekt zu schaffen. Hierbei sollen dann Partner/Institute gefunden werden, die uns tatkräftig und finanziell unterstützen.

Wie ist die Zahlbereitschaft der Stadt und der Bürger?

Der Gemeinderat ziert sich ganz gewaltig, hier Geld in die Hand zu nehmen.

Der Vorschlag von OB Klenk ist ein Vorschlag zur Güte, der dann wohl auch im Haushalt durchgehen könnte. Ich selbst bin hiermit aber nicht einverstanden. Die Betroffenen sind bereits in Vorleistung gegangen, indem sie professionell eigene Verursachung ausgeschlossen haben.

Ich sehe ganz klar die Stadt in der Pflicht, hier für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein. Wir sind bekanntlicherweise mitten in den Haushaltsberatungen, die sich als äußerst schwierig gestalten. Dabei ist LE eine an sich wohlhabende Stadt, aber durch das neue Haushaltsrecht rutschen wir in den nächsten Jahren in die Verschuldung.

Ich bin der Meinung, solange der Gemeinderat und die Verwaltung beispielsweise ohne mit der Wimper zu zucken ein Vielfaches von den jetzt angedachten maximal 5000 Euro für ein Lichtkunstprojekt der Region ausgeben werden, das für den Herbst geplant ist, habe ich dafür kein Verständnis.

Ein weiteres Beispiel ist der Unterhalt der Spielkartensammlung. Die ist zwar ganz nett, aber bringt der Stadt kaum Nutzen aber dafür Kosten im 6-stelligen Bereich. Das geht so nicht!

Das ist ein ganz schäbiges Verhalten und verletzt die Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger. Jeder Bürger hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, – diese ist in unserer Stadt nicht mehr gegeben.

Jetzt ist ganz klar die Stadt in der Verantwortung, hier weiter vorzugehen. Auch politisch, um sich Verbündete zu suchen, um Bund und Land in die Pflicht zu nehmen, bei denen ja letztendlich die Verantwortung zu liegen scheint.

Sabine Onayli, 05.03.2016

 

Kontakt zu der Gruppe der Brummton-Betroffenen: 

Email: brummton@posteo.de

An diese Adresse freuen wir uns über Rückmeldungen aus der Bevölkerung von Personen, die auch unter dem Infraschall leiden. Insbesondere natürlich aus dem Raum Leinfelden-Echterdingen und nahe Umgebung.

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